Gestorben.


Wir waren in einem heruntergekommenen Viertel der Stadt. Was wir da wollten? Ich bin mir nicht sicher. Ich denke wir wollten unser Gutherz sprechen lassen und helfen. Wir sahen ein Kind. Es war dünn. Sehr dünn. Und seine Sachen gaben den Anschein zu klein und lange abgetragen zu sein. Das also war unsere Mission. Wir wollten helfen. Wie, das war uns noch nicht klar. Also gingen wir ihm nach.

Er verschwand in einem durch Graffiti verschönertem Haus. Allerdings konnte der Charakter des heruntergekommenen Hauses sich nicht unter den Graffitis verstecken. Es roch seltsam. Eine Mischung aus Eintopf und frisch gewaschener Wäsche. Aber auch ein wenig modrig roch es, was wohl durch die nasskalten Wände, die sich uns im Inneren präsentierten, erklären ließ.

Er war weg. War er nun nach oben oder nach unten in den Keller gelaufen? Unseren Rufen hatte er keinen Laut der Antwort gegeben.

Dann hörten wir ein Klackern im Keller. Also liefen wir, schon in der ersten Etage angekommen, zurück in die Richtung aus der das Geräusch kam.

Dann passierte es. Ein Mann Mitte 40 kam, als wir im Erdgeschoss ankamen, aus dem Keller gestürmt. Er hatte ein Messer in der Hand.  Er lief direkt auf uns zu. Mein Freund stellte sich ihm entgegen. Er versuchte ihm das Messer aus der Hand zu entreißen. Ich war wie gelähmt. Stand da. Ich hoffte, dass alles gut ausgehen würde; für meinen Freund und für ihn, den Angreifer aus dem Keller.

Die Rangelei war für mich unerträglich. Ich dachte daran einzugreifen und zu helfen. Immerhin hatte ich eine starke Hand. Ich bin zwar kein Boxer oder so, aber untrainiert bin ich auch nicht. Und wie man am besten zuhaut, dass sieht man ja oft genug im Fernsehen.

Doch wie ich auch nur sekundenlang darüber nachdachte, befanden wir uns auch schon wieder draußen auf dem Hof. Dort warteten scheinbar schon mehrere andere Bekannte des Mannes aus dem Keller. Einer griff mich an. Nun schlug ich zu. So doll, wütend und von Angst getrieben wie ich konnte, haute ich in sein Gesicht. Mehrmals. Aber er lachte. Vermutlich kamen ihm meine Schläge nur wie ein Streicheln vor. Im Fernsehen sah immer alles so einfach aus. Seine Reaktion auf meinen Hit aber war gewaltig.

Dann sah ich uns liegen; meinen Freund und mich. Er lag zu meinen Füßen und regte sich nicht. Und ich? Mir klaffte eine faustgroße Wunde direkt unter meiner linken Brust. Rotes und scheinbar schwarzes Blut trat aus ihr hervor. Ich fing an unkontrolliert zu zittern. Schmerzen? Nein Schmerzen hatte ich nicht. Ich fragte mich was mit meinem Freund sei. Ich versuchte nach seiner Hand zu greifen, versuchte zu reden. Aber nichts davon klappte. Ich war gefesselt an den Boden und gebunden an die Reaktionen meines Körpers. Im letzten Versuch, und ich hatte seinen Haarschopf schon fast erreicht, hörte ich nur noch ein Gelächter von ganz weit entfernt. Dann hob ich den letzten Atemzug und alles wurde dunkel.

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