Spreewaldweihnacht 2016


Weihnachten wie es früher war“ im Freilandmuseum Lehde

 

Am Großen Hafen in Lübbenau werden die Besucher vom Budenzauber der Hafenweihnacht empfangen und zum Verweilen eingeladen. Etwas weiter, versteckter und vor allem einmalig in Deutschland, lädt ein kleines Dorf zur Zeitreise ein. Ungefähr 30 Minuten dauert die Fahrt mit dem Kahn in das sorbische Dorf Lehde. Und damit auch keiner während der Überfahrt friert, sind die Kähne mit allem Nötigen ausgestattet: warmen Decken, Glühwein- und Teekannen sowie kleinen Spirituosenfläschchen. Wenn man großes Glück hat, dann schmuggelt sich vielleicht sogar ein kleiner Lutk (auch liebevoll Lutki genannt) auf den Kahn und begleitet die Reisenden mit spannenden Geschichten über sein Volk und Sagen über den Spreewald.


Die Lutken sind freundliche, sorbische Wesen. Sie sehen aus wie Menschen nur viel, viel kleiner.  Sie leben im Wald unter Bäumen und in Höhlen unter der Erde. Vielerorts wird sogar vermutet, dass sie wertvolle Schätze hüten. Ihre Sprache ist einzigartig. Denn was auch immer sie sagen, jeder Satz wird stets verneint. Das könnte dann ungefähr so geklungen haben: „Wir wollen nicht einen Nichtkuchen backen.“
Dem Menschen sind die Lutken wohlgesonnen. Vor sehr langer Zeit lebten sie sogar selbst auf der Erde. Doch der Sage nach wurden sie durch das harte Geläut der Kirchglocken, als sich das Christentum in der Lausitz verbreitete, verschreckt und flüchteten unter die Erde.[1]

In der Oberlausitz werden die Lutken auch Zwerge, Querxe oder Veensmännlein genannt.[2]


Auf dem Weihnachtsmarkt in Lehde taucht der Besucher schließlich in eine historische Welt ein – der Spreewald vor 150 Jahren. Neben weihnachtlich verzierten, reetgedeckten Holzhäusern und vielen kleinen Buden, die allerlei duftende Köstlichkeiten und eine Vielzahl an traditionellem Geschenkideen anbieten, sind es vor allem die vielen Akteure, die in ihren sorbischen Trachten und Kleidern die Vergangenheit zum Leben erwecken. Auch der Rumpodich (Knecht Ruprecht) und das Bescherkind können beobachtet werden, wie sie Kindern kleine Geschenke geben.

Besonders spannend ist die persönliche Entdeckungsreise, die jeder Besucher für sich erfährt. Dem Strohteppich folgend, entdeckt man, fern des obligatorischen Weges, zum Beispiel einen Drechsler, eine Geschichtenerzählerin, eine Apfelsammlung, einen Liedersänger, welcher unzählige Geschichten über das sorbische Volk sowie das Weihnachten damals zu erzählen weiß, Kino im Heu, …
Viele Häuser laden zum Verweilen am warmen Kamin ein. Und ein Pläuschchen mit den Bewohnern macht die Geschichte noch greifbarer.

Im Übrigen ist die Spreewaldweihnacht auch im Dunkeln ein absolutes Highlight. Da lohnt es sich den Rückweg nicht mit dem Kahn sondern zu Fuß auf einer Fackelwanderung begehen.

Ja, man könnte noch so viel schreiben und noch viel mehr davon schwärmen. Doch am Ende bleibt nur eines zu sagen: Hinfahren und selbst eintauchen – in ein Stück Lausitzer Geschichte!

03.12. und 04.12.2016. gibt es noch einmal die Gelegenheit zur Zeitreise.
Sonst heißt es: Warten bis zum nächsten Jahr.
 Mehr Informationen finden sich unter Spreewaldweihnacht.

 

Für alle Unentschlossenen oder Ungläubigen anbei ein paar Impressionen. 😉

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Quellen:
[1]   Vgl. Schneider, Erich (Hg.): Von Lutken und Schätzen in der Erde. In: Sagen aus Heide und Spreewald – Eine Auswahl, 8. durchges. Auflage. Bautzen: Domowina-Verlag GmbH 2007, S. 28.
[2]   Vgl. Schneider, Erich (Bearb.): Von Lutken und Zwergen, In: Sagen der Lausitz, Domowina-Verlag GmbH, Bautzen, 1962, 13. Aufl. 2001, S.32.

Bildnachweis „Lutki“: http://www.hoyerswerda-lese.de/media_hoyerswerda_lese/zwergenskulptur02.jpg (gesichtet: 28.11.2016)

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